Das älteste Wasserhäuschen am Osthafen

Wer aufmerksam durch Frankfurt läuft, entdeckt sie an jeder Ecke: kleine, belebte „Büdchen“, die dem Stadtbild einen heimeligen und persönlichen Charakter verleihen. Das älteste dieser „Wasserhäuschen“ steht am Osthafen und erinnert mit seinem Namen „Jöst Nr. 1“ an ihren Gründer Adam Jöst. Zeitweise existierten knapp 800 dieser Trinkhallen in Frankfurt, heute sind es nur noch rund 300. Sie entstanden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Ziel, Mineralwasser und alkoholfreie Getränke an Arbeiter zu verkaufen und dadurch den Alkoholkonsum einzudämmen. Denn das Trinken von Leitungswasser stellte damals ein gesundheitliches Risiko dar, weshalb die Arbeiter stattdessen lieber Bier und Schnaps konsumierten. Heute gibt es dort jegliche kalte Getränke, Snacks und Zeitschriften – und mit Sicherheit viele interessante Gespräche und Begegnungen.

Diese schöne Stadtnische hat uns Michael gezeigt.

Stadtnischen: Wer bist du?

Michael: Ich bin Michael und habe Frankfurt erstmals in den 80ern durch meine Ausbildung bei einer Bank kennengelernt. Heute arbeite ich immer noch hier und bin Steuerexperte bei der Deutschen Börse. Früher fand ich die Stadt, ehrlich gesagt, ziemlich hässlich. Der Weg vom Bahnhof zum Rossmarkt – furchtbar. Mein Blick auf Frankfurt hat sich aber nach und nach durch viele Spaziergänge abseits der bekannten Ecken verändert: Ich fotografiere sehr gerne und vor einigen Jahren habe ich nach einem neuen Projekt gesucht. Gefunden habe ich die Wasserhäuschen in Frankfurt. Angefangen beim Jöst Nr. 1, dem ältesten Wasserhäuschen. Daraus ist schließlich ein Buch mit Spaziergängen durch die Stadt entstanden, das ich für gute Freunde geschrieben habe.

Stadtnischen: Was ist für dich besonders an deiner Stadtnische?

Michael: Dieses Viertel hier am Osthafen ist ganz anders als Frankfurt, so wie man es sonst kennt. Ein klassisches Industriegebiet: Sehr ursprünglich, man entdeckt viele Details. Hier werden die Container verladen, da hinten ist die alte Getreidemühle. Und hier schließt sich auch der Kreis meines Wasserhäuschen-Projektes. Angefangen beim Jöst Nr. 1 habe ich mir die Stadt in 1,5 Jahren einmal ringsherum erlaufen. Dabei wurden die Wasserhäuschen immer weniger zum eigentlichen Thema, sondern eher zu Orientierungspunkten. Ich habe so viel drumherum entdeckt, habe Menschen kennengelernt, viele Geschichten gehört und gesehen. Es gibt wirklich viele schöne Ecken in Frankfurt. Man muss sich einfach die Zeit nehmen, um sie zu entdecken.