Der Alte Jüdische Friedhof in der Rat-Beil-Straße

Im Jahr 1828 wurde der Jüdische Friedhof in der Rat-Beil-Straße eröffnet, denn die Kapazitäten der seit dem Mittelalter genutzten Begräbnisstätte in der Battonnstraße waren erschöpft. Heute ist er mit rund 30.000 Grabstätten der größte jüdische Friedhof Frankfurts und ein wichtiges Kulturdenkmal. Er wird im Westen, Norden und Nordosten vom Hauptfriedhof umschlossen und gilt übrigens als einer der schönsten Friedhöfe im Rhein-Main-Gebiet. Der Alte Jüdische Friedhof in der Rat-Beil-Straße ist täglich für Besucher geöffnet, außer an Samstagen (Schabbat) und jüdischen Feiertagen. Männer werden gebeten, an diesem Ort eine Kopfbedeckung zu tragen.

Diese schöne Stadtnische hat uns Korbinian gezeigt.

Stadtnischen: Wer bist du?

Korbinian: Ich heiße Korbinian und bin vor fünf Jahren für meinen Job beim Jüdischen Museum nach Frankfurt gezogen. Dort betreue ich u.a. die Social-Media-Kanäle und die Website.  Für die Arbeit komme ich regelmäßig hierher: Um Bilder aufzunehmen und Stories für unsere Follower zu produzieren, oder im Rahmen von Führungen, die das Jüdische Museum manchmal hier anbietet. Aber auch unabhängig von meinem Job, im Urlaub etwa, gehe ich sehr gerne auf Friedhöfe. Vor allem auf solche, die sehr alt sind. Denn ich finde es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Begräbniskultur zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen aussieht.

Stadtnischen: Was ist für dich besonders an deiner Stadtnische?

Korbinian: Für mich ist dieser Ort mit seinen uralten Bäumen und den teilweise überwachsenen Gräbern eine Oase der Ruhe. Ich komme sehr gerne hierher, spaziere über den Friedhof und schaue mir die Gräber an. Da der Friedhof sukzessive von Westen nach Osten belegt wurde, kann man hier einiges über den Wandel von Begräbniskultur ablesen. Im Westen, nahe des Hauptportals, sind die meisten Gräber noch sehr einfach gehalten und werden immer prunkvoller und individueller, je weiter man sich in Richtung Osten bewegt. Und dann ist da noch der separate Bereich der neo-orthodoxen jüdischen Gemeinde mit seinen schlicht gehaltenen Grabsteinen. Zudem liegen hier viele berühmte Persönlichkeiten begraben: etwa der Medizinnobelpreisträger Paul Ehrlich, Mitglieder der Familie Rothschild oder die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim. So einen besonderen Ort mitten in Frankfurt zu haben, das ist einfach Gold wert.