Die Berger Warte

Hoch über der Stadt, wo das Maintal zur Wetterau hin ansteigt, liegt mit 212 Metern über NN der höchste Punkt Frankfurts mit einer kleinen unscheinbaren Lichtung. In ihrer Mitte steht – umringt und gut versteckt von Bäumen und Hecken – die Berger Warte. Ein idyllischer Anblick. Nicht ganz so ihre Vergangenheit. Denn als ehemaliger Beobachtungsposten und Geleitwechselstation erzählt der Turm teils grausame Geschichten, die bis ins Mittelalter zurückgehen: von reisenden Händlern, dreischläfrigen Galgen, blutigen Schlachten – und einer 6000 Mann starken Armee, die während der Kaiserkrönung Leopolds II. für Sicherheit sorgen sollte. Daran erinnert die 400m entfernte Ehrensäule, die Landgraf Wilhelm IX. im Jahr 1790 zu Ehren des Kaisers errichten ließ.

Diese schöne Stadtnische hat uns Annette gezeigt.

Stadtnischen: Wer bist du?

Annette: Ich bin Annette und wohne seit fast 30 Jahren in Frankfurt. Bergen-Enkheim ist meine Wahlheimat geworden. Ich habe viele Jahre als Lokalredakteurin bei Frankfurter Tageszeitungen gearbeitet und dabei das gesamte Rhein-Main-Gebiet immer besser kennen- und lieben gelernt. 2010 habe ich die Marke „Hessen Storys“ gegründet und seitdem viel Freude daran, Gäste und Einheimische auf Erlebnistouren mitzunehmen. Wenn man genauer hinschaut, gibt es so viel mehr zu entdecken, als man auf den ersten Blick meint. Mein Buch „Zu Fuß durch Frankfurt“ greift genau das auf und lädt mit 12 Spaziergängen dazu ein, die Mainmetropole ganz neu zu entdecken.

Stadtnischen: Was ist für dich besonders an deiner Stadtnische?

Annette: Wir stehen hier in einem besonders schönen Teil des Grüngürtels, dem man seine bewegte Geschichte nicht gleich ansieht. Es fühlt sich für mich einfach sehr lebendig an, wenn ich hier langlaufe: An diesem Ort war über die Jahrhunderte immer viel los. Hier zogen Händler durch, wurde eine blutige Schlacht geschlagen und hier stand ein Galgen. Aus seinen Resten wurden die Treppenstufen der Berger Warte gebaut. Ich spüre noch den Grusel, wenn ich dort hochsteige. Überhaupt inspiriert der Ort zum Kopfkino. Ich sage immer: Hier liegt Schlumpfhausen hinter der Dornröschenhecke. Und die alten, knorzigen Obstbäume hier oben – wie Skulpturen, super schön!